AM BULLYPUNKT: EBEL und Zagreb – und wie weiter?

Seit heute wissen wir: Medveščak Zagreb wird in der nächsten Saison wieder ein Teil der EBEL-Familie sein. Schön für die Kroaten, schön für die Fans und schön für die Liga! Es soll hier nicht geunkt werden, aber die Aufnahme schafft mehr Probleme als sie löst und man kann nur hoffen, dass die Liga befriedigende Antworten findet.

12er, 13er oder 14er Liga

Das ist die vordringlichste Frage die es zu lösen gilt. Nach aktuellem Stand würde Zagreb als dreizehntes Team in den Ligabetrieb gehen und wir wissen alle, was eine ungerade Anzahl an Teilnehmern bedeutet. Die bei Fans und Vereinen so ungeliebten spielfreien Tage. Niemand der bei klaren Verstand ist kann eine 13er-Liga präferieren. Der für Zuschauer durchaus wichtige Ligarythmus käme vollends durcheinander. Hat man dem Publikum in den letzten Jahren wegen der  TV-Übertragungen sowieso schon einiges zugemutet (Stichwort: We don’t like thursdays) und stieß man letzten Sommer die Fans fianziell massiv gegen den Kopf (Stichwort: Wartungserlass und Preiserhöhung), ist es kaum vorstellbar, dass eine 13er-Liga die mittlerweile sinkenden Zuschauerzahlen wieder nachhaltig nach oben treiben werden.

So bleiben nur zwei Varianten übrig. 12er oder 14er-Liga?

Eine Liga mit zwölf Vereinen hat bisher ganz gut funktioniert. Dieses Format beizubehalten wäre eine logische Schlussfolgerung, bedingt jedoch den Abgang eines Vereins aus der EBEL. Als erstes wird man da wohl an Olimpija Ljubljana denken. Seit einigen Jahren hangeln sich die Slowenen von einem Notfallplan zum nächsten und geben dabei in der EBEL nur noch Gastspiele als Schießbuden, bei denen man sich die Punkte nur abzuholen braucht. In Laibach bricht seit zwei Saisonen das Budget im Dezember zusammen. Spieler beklagen ausstehende Gehälter, ziehen die Reißleine und verschwinden so schnell wie möglich, Nachwuchspieler werden in den Fleischwolf geworfen um zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

Es ist nicht nur die sportliche Sinnlosigkeit, die gegen einen Verbleib der Green Dragons spricht, auch die Reputation der EBEL leidet zunehmend unter diesem Geschäftsgebaren. Um der Fairness die Ehre zu geben:  Die Umgebungsvariablen in Slowenien sind tatsächlich nicht die besten und mit dem Untergang von Jesenice gingen den Laibachern auch die attraktiven Derbys verloren. Dennoch wäre es an der Zeit Nägel mit Köpfen zu machen und den Gang in die Alps Hockey League anzutreten. Rückkehr in die EBEL nach Konsolidierung nicht ausgeschlossen.

Oder doch 14?

Eine weitere Alternative wäre eine Liga bestehend aus vierzehn Vereinen. Seit Jahren brodelt die Gerüchteküche über Interessenten. SHK 37 Piestany aus der Slowakei, die Broncos Sterzing, MAC Budapest, der neue HK Jesenice oder zuletzt Slovan Bratislava, bekundeten mehr oder weniger seriöses Interesse an der EBEL. Bisher blockte die EBEL auf Betreiben der Teams sämtliche Versuche die Meisterschaft aufzustocken ab. Immer wieder werden dabei die Sponsorengelder in Spiel gebracht, die dann statt durch 12 eben durch die Anzahl >12 geteilt werden müssten.

Natürlich war dies nie der offizielle Grund. Bei manchen Teams war die Finanzplanung wirklich abenteuerlich, sodaß eine Teilnahme tatsächlich nicht in Betracht gezogen werden konnte. Bei anderen Teams waren selbstverständlich „sportliche“ Gründe für eine Ablehung genannt worden.

Dabei wäre eine Liga mit 14 Teams nicht nur eine einfache Erweiterung. Bei kluger Wahl würde die EBEL selbst eine Aufwertung erfahren. Piestany wäre sportlich eine Bereicherung und zudem würde die EBEL in einem weiteren Land Fuß fassen können, was dem Hauptsponsor „Erste Bank“ mit ihrer slovakischen Unternehmung „Slovenská sporiteľňa“ durchaus gefallen könnte. Außerdem liegt Piestany auch nicht abgelegener als Zagreb. Der Eishockeyosten hätte damit viel zu gewinnen. Ein Vierländerduell Wien-Znojmo-Piestany-Fehervar hätte durchaus einen Reiz.

Oder man bietet einem ausländischen EBEL-Verein ein Derby. Solche Revierkämpfe sind im Sport das Salz in der Suppe. Ob es nun das Kärntner Derby oder das recht junge aber ereignisreiche Ostderby Wien-Znojmo ist. Stets profitieren beide Vereine von dieser sportlichen Rivalität. Budapest könnte für Fehervar den Part des Lokalrivalen übernehmen. Auch Jesenice wäre denkbar, sofern beide slowenischen Vereine auf gesunden Beinen stehen.

Bozen und Innsbruck haben zwar ihr Derby der Tiroler Hauptstädte, aber Sterzing könnte hier auch innerhalb Südtirols noch einen drauflegen, wenngleich die Broncos diese Saison sportlich sehr blass wirkten. Alles wiederum unter Berücksichtigung der budgetären Basis.

Nur nicht 13

Aktuell ist bisher nur die Aufnahmebestätigung Zagrebs bekannt. Wer kommende Saison noch dabei sein wird und wieviele Vereine tatsächlich antreten werden, steht noch in den Sternen. Bisher sieht die Liga auch keinen Handlungsbedarf. Der ergibt sich mit Nennschluss und der Anzahl der vorliegend Anträge. Möglich, dass am Ende tatsächlich 13 Vereine mitspielen wollen. Dann wäre es zu wünschen, dass die EBEL nicht wieder herummurkst und eine 13er-Liga an den Start bringt.

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