Am Bullypunkt: Auf dünnem Eis

VIC_LogoSport und Politik. Zwei Begriffe die man gerne trennen würde, sich nicht aber gänzlich trennen lassen. Suchen doch immer wieder diverse Profivereine gezielt die Nähe zur Politik. Ein gutes Beispiel sind hier die Vienna Capitals. Sie werfen sich der Politik und vor allem der SPÖ nur zu gerne an den Hals. Sei es Heinz Fischer während seines Präsidentenwahlkampfs, Norbert Darabos im Rahmen Wehrpflicht-Volksbefragung oder zuletzt Sozialminister Rudolf Hundstorfer während des Nationalratswahlkampfes 2013. Das Vorrecht im Eissportzentrum Kagran werben zu dürfen, haben in Wien eben nur Sozialdemokraten.

Doch was hat das nun mit Eishockey zu tun. Eigentlich nicht so viel, doch ein Bericht der Presse sorgt unter den Fans der Vienna Capitals für Verwirrung.

Demnach soll der umstrittene türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan im Eissportzentrum Kagran, seinen für den 19. Juni angekündigten Auftritt absolvieren. Der Presse liegt dabei ein Email-Verkehr vor, der die Anfrage des Verantsalters (Union Europäisch-Türkischer Demokraten – UETD) bestätigt.
Nachdem bereits die Krieau und das Hanappi Stadion als möglicher Veranstaltungsort ausgefallen sind, begeben sich die Vienna Capitals im wahrsten Sinne des Wortes auf sehr dünnes Eis. Sind die diversen Auftritte heimischer Politiker schon zu hinterfragen, sorgt die bisher nicht erfolgte klare Absage für Kopfschütteln. Erdoğans Auftritte in Deutschland sorgten bisher stets für einen Skandal. Er wetterte gegen das Gastgeberland und forderte von den Türken und türkischstämmigen Deutschen sich nicht assimlieren zu lassen. Nebenbei gilt der Premierminister als Despot, der legitime Demonstrationen schon mal mit brutaler Gewalt niederschlagen ließ, eifrig an der Abschaffung der Säkularität in der Türkei werkelt und die Demokratie langsam aber stetig aushöhlt.

Zur Klarstellung, um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Es geht hierbei nicht um Türken in der Eishalle, sondern lediglich um den politischen Missbrauch der Spielstätte für einen Regierungschef, der es mit den allgemeinen Menschenrechten nicht ganz so genau nimmt. Lässt man Erdogan seine Hetzreden in der Albert Schultz Halle schwingen, könnte man auch den ungarischen Premierminister Orban einladen eine Flaggenparade darin zu veranstalten. Ein Auftritt Erdoğans in Kagran kann den Ruf der Vienna Capitals als Pächter des Eissportzentrums nachhaltig schädigen. Sie würden auch zum Spielball der heimischen Politik werden, denn die Angriffe von FPÖ, ÖVP und Co. werden sicher nicht lange auf sich warten lassen. Ob ein paar tausend Euro diesen Imageschaden wert sind? Sind sie es wert, auch noch die letzte Reputation bei den eigenen Fans zu verspielen, cie diesen Auftritt in „ihrer“ Halle ablehnen.

Erfolgt hier nicht die Absage an die UETD droht man auf diesem dünnen Eis einzubrechen.

 

UPDATE: Einem Bericht des Kuriers zufolge, findet der Auftritt Erdoğan fix im Eissportzentrum statt. Heute sollen dazu die Verträge unterschrieben worden sein. Erwartet werden aber weit mehr als die 7.000 Zuschauer welche die Halle fasst.

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