AM BULLYPUNKT: CHL relativ

JYPvsRBS 01Die Gruppenphase der Champions Hockey League ist geschlagen. Österreich ist mit zwei Teams als Gruppensieger im Achtelfinale vertreten. Ein Ergebnis, für das sich das österreichische Eishockey noch lange auf die Brust klopfen wird. Geht man jedoch einmal in sich und sieht sich so manche Ergebnisse an, erkennt man noch einen schwächelnden Stellenwert der CHL.

Zugegeben, die CHL als Neugeborenes, frisch gewickelt und zuckersüß, lernt gerade erst transnationales Eishockey zu verstehen. Im Gegensatz zu den 90er Jahren, in denen die IIHF die European Hockey League installierte, ist die CHL ein Quantensprung. Einst, als sich die VEU Feldkirch zu Europas Elite zählen durfte, hatte die EHL denkbar schlechte Umstände. Eishockey über Landesgrenzen hinweg kannte man nur aus der NHL und der darniederliegenden Alpenliga. Zudem machte die IIHF zu viele Restriktionen und schüttete dafür kaum Geld an die Teams aus. Die Zeit einfach noch nicht reif. So war die Idee einer UEFA Champions League Kopie vom Start weg zum Scheitern verurteilt.

Heute gut zwanzig Jahre später machte man vieles besser. Im Schwung der Euphorie um die „private“ European Trophy fasste man die Idee einer Champions League erneut auf, band aber dieses mal die Verantwortlichen der Top-Nationen mit ein und erreichte so, dass man sich zumindest nach außen hin mit dem Projekt CHL identifizieren konnte. Man änderte sogar den Continental Cup, strich die gesetzten CHL Länder aus dem Cup und füllte die offenen Plätze mit Teams aus Spanien und der Türkei auf.

Man wird aber den Eindruck nicht los, als hätten manche Teams die CHL eher als hochwertige Vorbereitung denn als Champions League gesehen. Es kann schon sein, dass die DEL qualitativ überschätzt wird, aber wenn kein einziges deutsches Team das Achtelfinale erreicht ist ist dann doch seltsam. Auch das Schweizer Eishockey hatte seine liebe Not mit der CHL und den eigenen strengen Legionärsbeschränkungen. So haderte der ZSC Lions nach der Niederlagen gegen die Vienna Capitals…

„Dabei wollten die Lions genau das vermeiden, denn die Überzahlstärke von Vienna samt ihren zehn Ausländern war dem Zett bekannt.“
Auszug aus dem Matchbericht der ZSC Lions

Natürlich kann es auch Enttäuschung sein, aber gerade in den Sozialen Medien macht man aus dem Herzen keine Mördergrube. Man textet sich den Frust von Seele und sieht die Sache so wie man sie nicht gesehen haben wollte:

So schrieben viele, dass sie die Meisterschaft und den Schweizer Cup als wichtiger erachten. Die Kloten Flyers haben die CHL überhaupt nur als Randerscheinung wahrgenommen. Eine Kurznotiz auf der Homepage, überhaupt kein Eintrag auf deren Facebook-Seite. Akzeptanz sieht anders aus. Und aus Deutschland vernimmt man ähnliche Meldungen.

Und genau darin liegt noch das Problem:

PSG-EBB 01Die CHL wird noch nicht als das gesehen, was sie darstellen soll. Eine Paneuropäische Champions League, deren Sieger als das beste Team Europas anerkannt wird. Man empfindet die CHL als Belastung, nicht als Bereicherung. Soll die CHL überleben und erfolgreich werden, muss sich einiges ändern.

Vorbereitungscharakter

Ein Grundproblem ist sicherlich die zeitliche Ansetzung der Gruppenphase. Terminisiert man den Großteil dieser wesentlichen Qualifikation noch vor den nationalen Meisterschaften, wird man den Charakter einer höherwertigen Vorbereitung nicht los werden. In der Vorbereitung ist hochqualitatives Eishockey nicht zu erwarten. Da fehlt es oft noch an der Abstimmung, andere sind wieder von einem Intensivprogramm müde. Und dann gibt es Teams, wie etwa Bozen, die zum Start der CHL noch keinen vollständigen Kader aufweisen.

Mehrwert

Für die teilnehmenden Vereine muss die CHL einen tatsächlichen Mehrwert darstellen. Und der einzige „Mehrwert“ der die Teams tatsächlich lockt ist der schnöde Mammon. Das wird für den Veranstalter zwar kostenintensiver, steigert das Interesse der Teilnehmer aber ungemein. Wie bei der UEFA Champions League sollte für jeden erspielten Punkt bare Münze stehen. Geben die Vereine dann einen Teil dieser Einnahmen an die Spieler als Prämie ab, wird die CHL auch unter den Spielern mehr akzeptanz finden und die Cracks werden um um ihre Leben kämpfen sich ein Körberlgeld zu verdienen.

IIHF Breaks

Leider muss aber auch die IIHF umdenken. Das System der jährlichen Weltmeisterschaften ist in Wahrheit obsolet und dient nur noch zur finanziellen Selbstbefriedigung mancher Funktionäre. Die beiden Doppel-Weltmeisterschaften in Schweden und Finnland mit ihren exorbitanten Eintrittspreisen und leeren Hallen hat gezeigt, dass der Plafond des guten Geschmacks längst erreicht ist. Dazugehörend sind auch die IIHF Breaks überholt. Einerseits stören sie den Ligabetrieb empfindlich, andererseits machen sie eine interessante CHL unmöglich. Die IIHF benötigt eine Revolution, doch der gemeinhin anerkannte Reformwille des Verbandes ist, mit Ausnahme einiger Regelanpassungen, enden wollend.

Teilnehmer – da fehlt doch was?

Zur allgemeinen Akzeptanz als „Champions League“ wird die CHL  nicht herumkommen. Nämlich die Besten den Kontinents zur Zusammenarbeit zu bewegen.
Die Rede ist von der KHL. Das Fehlen russischer Teams bzw. Teams aus der KHL schmerzt jeden Eishockeyenthusiasten. Wer würde nicht gerne die Chance haben, einmal Dynamo Moskau, Lokomotiv Yaroslavl oder Metallurg Magnitogorsk live sehen zu können. So lange die KHL außen vor bleibt, so lange wird die CHL nur Drittklassig bleiben. Das grundsätzliche Interesse Russlands an der CHL ist vorhanden, doch die Umgebungsvariablen stimmen nicht. Wird die CHL attraktiver gestaltet so stehen die Chancen sehr gut, eines Tages auch russische Teams in der CHL begrüssen zu dürfen.

Abschließend muss man aber Anerkennung zollen. Die Champions Hockey League ist der erste professionelle und ernsthafte Versuch eines Europacups auf dem Eis. Im Jahr 1 der neuen Zeitrechnung ist natürlich noch viel zu lernen und zu verbessern, doch nie standen die Chancen besser, Europas Eishockey unter einem Banner zu vereinen und so zumindest teilweise aus den großen Schatten der NHL und der nationalen Ligen zu treten. Hoffen wir auf das Beste und die notwendige Geduld sowie das nötige Engagement der Vereine um die CHL zu etwas Großem zu machen.

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