AM BULLYPUNKT: Der EBEL Grunddurchgang

Der Grunddurchgang ist vorüber, die Semesterferien im Osten Österreichs haben auch bereits begonnen, Zeit für ein kleines EBEL Resümee.

Zunächst zu einigen Auffälligkeiten in der Tabelle.

Den Leader Salzburg und das Schlußlicht Olimpija Ljubljana trennen trennen lediglich 31 Punkte, doch beim Torverhältnis wird es mehr als eindeutig. Laibach hat in der Tordifferenz einen Rückstand von 102 Toren auf Salzburg. Die Grenze zwischen einer positiven und negativen Tordifferenz liegt tabellarisch genau an der Grenze zur Pickround.

Der VSV (+13) und die Vienna Capitals (+2) haben als Dritter und Vierter zusammengenommen eine schlechtere Tordifferenz als der fünftplatzierte HC Orli Znojmo (+25).

In den Spielestatistiken dominierten im Grunddurchgang die Blackwings Linz. Während Andrew Kozek bei den Toren und Punkten die Nase vorne hat, ist es Rob Hisey der in der +/- Statistik und bei den Assist vom ersten Platz herablächelt. Bei den Torhütern musste sich Michael Ouzas jedoch Jean Philippe Lamoureux (VSV) geschlagen geben, wobei 93,27 % Fangquote schon ein recht beeindruckender Benchmark ist.

Bei den Junggoalies ist Luka Gracnar das Maß aller Dinge und mit einer Fangquote von 92,35 % auf Platz 3 und damit weit vor dem erfahrenen und eigentlich etablierten Bernd Brückler, der mit 89,51 nur auf Rang 16 platziert ist.

Bewundernswert sind die Fans des KAC’s. Trotz der sportlichen Misere pilgerten im Schnitt 4121 Zuschauer zu den Vorstellungen der Rotjacken und liegen damit vor den Vienna Capitals (3895) die jedoch den Zuschauerschwund nicht mehr wegreden können. 2011/12 konnten die Vienna Capitals noch auf 5.079 Fans verweisen, waren es 2012/13 nur noch 4.846 Zuschauer. Im Jahr darauf fanden nur noch 4.012 in die Halle. Nach dem diesjährigen Grunddurchgang fiel der Schnitt auf 3.895 ab.
Dieser Zahl errechnete sich aus dem Schnitt der Zuschauer beim Heim- und Auswärtspielen.

Dieser Abwärtstrend ist einigen Schwankungen jedoch ligaweit zu beobachten und dieses Jahr auch etwas den bei den Fans verhassten Donnerstagsspielen geschuldet.

HDD Telemach Olimpija Ljubljana

Würde man in Slowenien weniger wert auf einen elend langen Teamnamen legen und sich mehr auf das Wesentliche konzentrieren, wer weiß was nicht alles möglich wäre. Im Laufe der Saison hatte man bei den grünen Drachen immer wieder das Gefühl, sie wollen ihren abhanden gekommenen Erzfeind Jesenice mit Hurra in den Abgrund folgen. Es läuft in Jesenice einfach nicht. Selbst die Anbiederung als Farmteam an Medwescak Zagreb war erfolglos. Das Einzige was den Slowenen dieses Jahr bisher gelungen ist, war die chronische Erfolglosigkeit. Aber das recht erfolgreich.

HC TWK Innsbruck

Mit Ausnahme einiger bissiger Auftritte wie zuletzt in Wien, glich das Haifischbecken eher Rehabilitationsbecken für Arthrosepatienten. Nur allzu gern fischten die Gegner darin Punkte im Doppelpack, während die Goldfischchen in Innsbruck orientierungslos nach Luft schnappten. Kein Wunder, dass die Gegner eigentlich recht gerne den Ausflug an den Berg Isel machten, denn die Besteigung des Hausbergs ist die größte Herausforderung dabei.

DEC Bulldogs Dornbirn

Hut ab vor den Vorarlberger die mit Herz und Kampf um jedes einzelne Spiel rittern. Auch wenn es spielerisch nicht immer ein Hingucker ist, so verbeißt man sich doch gerne in den Gegner und tut ihm manchmal sogar weh. Nachdem die Dornbirner am Beginn der Saison noch richtig laut waren, wurden sie aber nach und nach ein die Leine gelegt. Am Ende heißt es nun Platz 10 und eine ganz schwere Ausgangsposition für die Qualifikationsrunde.

Moser Medical Graz 99ers

Für die Steirer wäre eine Änderung des Teamnamens überlegenenwert.
Wie wäre es in „AMS Durchgangsstelle“?
Was die Grazer in der Tryoutphase alles unter Vertrag genommen und wieder ziehen hat lassen, brachte selbst die Fans in Schwitzen. Man verlor recht schnell den Überblick, wer denn nun im Team der 99ers steht.
Dass die Grazer mit ihrer Personalfluktuation für einen rasanten Anstieg der steirischen Arbeitslosenquote sorgten, sind aber lediglich Gerüchte. Fakt ist jedoch, dass 13 Legionäre ebenso vielen Österreichern gegenüberstehen und am Ende des Grunddurchganges nur Platz 9 zu Buche steht, obwohl sie in der Tryoutphase mit gefühlten 120 Spielerpunkten lange im oberen Drittel mitmischten.

KAC

Heuer waren es bisher drei Dinge die der KAC besonders gut beherrschte. Man verlor immer besonders unspektakulär die Kärntner Derbys, sekkierte dafür aber die Wiener und stibitzte ihnen Sieg um Sieg. Ansonsten konnten die Rotjacken noch recht gut negativ auffallen. Vor allem am Beginn der Saison, wo man partout nicht gewinnen wollte. Ob nun der Trainer daran schuld war, sei dahingestellt! Über sportliche Belange redete man zu dieser Zeit in Klagenfurt eher selten.

HCB Südtirol

Der HCB war in der Geschichte des österreichischen Eishockeys wohl der erste Titelverteidiger der nicht automatisch auch ein Titelfavorit der Folgesaison war. Zumal man über den HCB mehr im Sommer als während der Saison sprach, als man sich in Bozen etwas zierte eingegangene Vereinbarungen auch einzuhalten. Am Ende einigte man sich noch einmal – irgendwie! Man setzte ein wenig auf das „Erfolgsrezept“ aus dem letzten Jahr, mit einem sehr spät zusammengestellten Team. Dieses mal aber ohne Meisterprämie! Mal sehen was daraus wird.

So kommen wir nun über den Strich in die sogenannte Pick Round

Fehervar AV 19

Die Ungarn sind seit dem Einstieg in die EBEL ein zuverlässiger Gegner. Nach starken Auftritten folgen gerne mal Ausrutscher. Aber hierbei zeigen die die Ungarn unglaublich konstant. Erst gegen Ende des Grunddurchganges zog man in der Puszta aber noch mal an und fixierte zwei Runden vor dem Ende die Teilnahme am Playoff.

HC Orli Znojmo

Man könnte mit den Tschechen beinahe Mitleid haben. Trotz Megastimmung und attraktiven Eishockeys, geht den Adler etwa ab der Hälfte des Grunddurchganges ein wenig die Luft aus. Das schnelle Offensiveishockey von Znaim ist zwar schön anzusehen, wirkt aber phasenweise wie Hollywood-Hockey, dessen Wirkung meist nach einigen Runden verpufft. Nichtsdestotrotz ist der HC Orli Znojmo eine Bereicherung für die Liga. Vor allem das Duell mit Wien sorgt für Rekordkulissen auf beiden Seiten und hebt diese Begegnung mittlerweile in den Stand eines Regionalderbys.

UPC Vienna Capitals

Von Znojmo aus geht die Reise nun Richtung Süden zur österreichischen Hauptstadt weiter.
Dort hat man mit dem Ausscheiden aus der CHL offenbar den Spielbetrieb Eishockey auf Holliday on Ice umgestellt. Bis dahin, waren die Caps zwar nicht torgefährlich, aber dank einer mächtigen Defensive gefürchtet. Danach war vom Bollwerk bestenfalls noch rudimentärer Widerstand zu erkennen. Die negativen Highlights waren zuletzt Heimniederlagen gegen die letzten drei des EBEl. Kein Wunder also, dass man in der Tabelle durchgereicht wurde und sich über Platz 4 noch glücklich schätzen kann. Der Kurzauftritt von Nicolas Dechamps der nur 10 Spiele im Jersey der Wiener bestritt, passt da irgendwie ins Bild.

VSV

Die Villacher sind eigentlich genau das Gegenteil der Wiener! Am Beginn der Regular Season zeigten sich die Adler recht flügellahm. Weder in der CHL noch in der EBEL machten sie die Villacher wirklich Eindruck. Da wurde auch der ehemalige Wiener Torschützenkönig Francois Fortier, der im Sommer an die Drau gewechselt ist, in den Nordem geschickt und außer Derbysiegen waren eigentlich nur ihre Dressen schön blau.
Doch mit der Zeit erfingen sich die Adler, kletterten Platz um Platz die Tabelle hinauf und landeten auf dem 3. Rang.

Liwest Blackwings Linz

Immer wieder zeigen die Linzer, dass sie dann am stärksten sind, wenn niemand mit ihnen rechnet. So auch heuer wieder. Das wandelnden „Christbaumkugeln“ glänzten nicht nur mit ihren Helmen sondern auch mit einem kompakten und konsequenten Spiel. Trainer Rob Daum und das Linzer Management setzen auf Kontinuität und die macht sich dieses Jahr wieder bezahlt. Wenn man nur noch die glänzenden Helme los wird, könnte man das Team auch durchaus ernst nehmen.

Red Bull Salzburg

Das hochnotpeinliche Ausscheiden aus der CHL nach einem 5-Tore Vorsprung, hatte in der Mozartstadt offenbar sein Wirkung gezeigt. Wie ausgewechselt traten die Bullen in der Liga an und mauserten sich zum Spitzenreiter, der mittlerweile seit Wochen über die Liga thront. Der Spieltwitz den das Team dabei an den Tag legte, hat für österreichische Verhältnisse seltenheitswert. Bemerkenswert ist vor allem die Ausgeglichheit des Kaders. Trotz ihres Vorsprungs in der Tabelle befindet sich kein Bulle auf einen Spitzenplatz in den verschiedenen Statistiken. Der Titel wird diese Saison wohl nur über sie gehen.