Am Bullypunkt: IIHF 2015

Die Weltmeisterschaft 2015 ist vorüber und es war in vielerlei Hinsicht eine bemerkenswerte WM. Vom alles beherrschenden Team Canada, über Zuschauerrekord, einem überragenden Altstar bis hin zu einem fragwürdigen Ergebnis, war alles dabei, was das Eishockeyherz begehrt.

Zeit also ein Resümee zu ziehen!

Unstoppable

Seitdem die Sowjetunion zerbröckelte war kaum ein Team so unbestritten und eindeutig zum Titel geeilt, wie das Team Kanada. 10 Spiele und ebenso viele Siege mit 66 erzielten Toren sprechen eine deutliche Sprache. Vermutlich hatte man in der Tschechischen Republik das beste kanadische Team aller Zeiten bei einer WM gesehen. Kein anderes Team war so homogen und ausgeglichen wie die Ahornblätter. Kein anderes Team war eisläuferisch so stark und perfekt zusammengestellt. Niemand stach aus dem Team heraus. Selbst Sidney Crosby fügte sich nahtlos ins Mannschaftsgefüge ein. Zudem verzichtete der Weltmeister auf das eigentlich für Kanada typische Körperspiel und bestach durch Tugenden die man einst den Sowjets zuschrieb.

Jagr’sche Republik

Was wäre der Hausherr ohne Jaromir Jagr gewesen? Die diesjährige Weltmeisterschaft zeigte eindeutig, dass sich hinter dem tschechischen Altstar ein tiefes Loch auftut. Mit Ausnahme von Jakub Voracek konnte niemand so recht an die Performance des 43jährigen anknüpfen. Wenn im Angriff für den Gegner Gefahr herrschte, waren stets Jagr im Geschehen. Waren er und Voracek gemeinsam auf dem Eis, läutete das stets die beste Phase der Tschechen ein.

Bemerkenswert ist die Performance auch in körperlicher Hinsicht. Unter 17 Minuten Eiszeit kam Jagr nicht davon und hatte dabei um einiges mehr als so manch wesentlich jüngere Mitspieler.

Nachdem Jagr noch am Sonntag das endgültige Ende seiner Teamkarriere bekannt gab, braucht die Tschechische Republik akut ein Rezept um ihre spielerische Abhängigkeit vom Altstar zu beenden, sonst sind Titelträume auf die nächsten Jahre hin ausgträumt.

Die Jagr’sche Republik feierte aber nicht nur ihr Team, sondern ein wahres Eishockeyfest. Der Zuschauerrekord von Minsk (640.044) wurde bereits nach dem Viertelfinale (652.348) gebrochen. Die endgültigen Zahlen stehen noch aus, doch sie werden unter Garantie beeindruckend sein.

Fragwürdiges

Es gab nur eine Konstellation wie Österreich (zum zweiten mal hintereinander) mit 5 Punkten auf dem Konto noch absteigen konnte. Frankreich musste in der Verlänerung gegen Lettlan gewinnen. Ein Sieg in der regulären Spielzeit hätte den Verlierer in den Keller geschickt. Bei einem Sieg der Letten in der Verlängerung wären ebenfalls die Franzosen abgestiegen. Trotz einer Chance von nur 11% trat genau dieses Ergebnis ein, welches beide Teams im letzten Spiel in der obersten Klasse halten sollte.

Ein Schelm wer Böses dabei denkt.
Natürlich kann ein solcher Super-GAU für ein drittes Team eintreten, doch die Art und Weise wie dieses Ergebnis zustande kam, lässt zumindest Zweifel an der Seriösität der beiden Teams aufkommen. Vor allem beim lettischen Torhüter Masalkis, der sich im Penaltyschießen wie ein Anfänger verhalten hatte und zweimal wie ein Reissack in China umgefallen ist. Naturgemäß bestritten Franzosen und Letten jegliche Absprache und die IIHF goutierte das Ergebnis mit einem achselzuckenden „ISSO“.

Andererseits hätte es das österreichische Nationalteam mit einem Sieg gegen die Franzosen oder Letten selbst in der Hand gehabt. In beiden Spielen war Österreich das bessere Team, doch ohne Tore wird das Siegen verdammt schwer.

Zusammenfassend kann man aber mit der Performance der Österreicher durchaus zufrieden sein. Der Umbruch im Nationalteam hat Früchte getragen und die rot-weiß-roten Cracks verkauften sich weit besser als man befürchten musste. Für einige Spieler war es die erste Bewährungsprobe auf dem glatten Parkett und sie standen ihren Mann. Es schmerzt wieder in Klasse tiefer zu müssen, doch für die Zukunft ist einmal eine brauchbare Basis gelegt. Es gibt noch etwas Positives zu berichten.

Trotz des Abstiegs kann sich Österreich über zwei Pyrrhussiege gegen die Schweiz und Deutschland freuen und liegt nebenbei in der Penaltykilling-Statistik ganz oben an der Spitze! Noch vor Weltmeister Kanada!

Darauf kann man doch auch ein wenig stolz sein! (sic!)