Warum die CHL dieses mal unattraktiver ist

Wenn heute die ersten Spiele der Champions Hockey League beginnen, geht ein ehrgeiziges Projekt in seine zweite Saison. Nachdem die Premierenauflage in den verschiedenen Ländern unterschiedlich interessiert verfolgt wurde, nahm man Änderungen vor die man nicht zwangsläufig für gut befinden muss.

Stellenwert

Nach einigen gescheiterten Versuchen der IIHF, einen attraktiven europäischen Bewerb auf die Beine zu stellen, ist die CHL der nächste und womöglich tauglichste Anlauf. Die CHL wurde ob der bisherigen Enttäuschungen mit eher vorsichtigem Interesse verfolgt. Vereinzelt erschienen Berichte, meist aber nur Ergebnisse der Einzelnen Begegnungen. Deutsche wie auch Schweizer Vereine unterschätzen den Bewerb offensichtlich und schieden reihenweise nach der Gruppenphase aus. Das Bedeutung war endenwollend. Zumindest gelobten die deutschen Vereine Besserung, denn die Schmach alle Vertreter nach der Gruppenphase zu verlieren, war dann doch zu groß.

Wegen der skandinavischen Übermacht reduzierte sich das Interesse in Resteuropa ab den Playoffs gegen null. Hier ist die CHL gefordert mit geeigneteren Marketingmaßnahmen gegenzusteuern, denn die CHL steht und fällt mit der Publikumsgunst.

CHL Expansion

Wo letztes Jahr noch 44 Teams im transkontinentalen Vergleich antraten, sind es diesmal bereits 48. Neben den Vertretern hochrangiger Eishockeynationen wie Schweden, Finnland oder Schweiz, treten auch sprichwörtliche Exoten an. Teams wie die Sheffield Steelers oder der Braehead Clan aus der britischen Liga, dürften das Interesse an der CHL nicht in ungeahnte Höhen treiben. Man fragt sich zu recht, ob die britische Elite League den sportlichen Herausforderungen der CHL gewachsen sein kann, hatte doch selbst französische Vertreter schwere Probleme mit dem Niveau ihrer Gegner.

Dagegen fehlen Vertreter aus der KHL. Die CHL ist zwar bemüht die Russen von diesem Bewerb zu überzeugen, doch diese sind alles andere als angetan.

Gruppenkastration

Ob es nun der Aufstockung geschuldet ist oder den Wünschen der Teams gefolgt wurde. Die Reduzierung von Vierer- auf Dreiergruppen tut der CHL im Gesamten keinen Gefallen. Wie man es auch dreht und wendet, man bekommt das Gefühl als sei die CHL nur noch ein nettes Pre-Season-Turnier bei dem man die Chance auf zusätzliche Einnahmen hat.

Wie in den Champions League Bewerben der anderen Sportarten, stellt die Gruppenphase einen wichtigen Faktor dar. In der Gruppenphase wird über Wohl oder Wehe eines Teams im Bewerb entschieden. Nur wer sich dort in Szene setzen kann, schafft den Einzug in die Playoffs und darf auf mehr hoffen. Diese Phase ist das Rückgrat einer jeden Champions League.

Die Reduzierung der Gruppenteilnehmer, kommt einer Kastration des Bewerbs gleich. Nicht nur, weil den interessierten Fans ein attraktiver Gegner abhanden kommt, vielmehr sind vier Spiele im Eishockeysport kein echter Gradmesser. Der Faktor „Glück“ nimmt dadurch einen unverhältnismäßig hohen Stellenwert gegenüber den sportlichen Fähigkeiten ein.

Einfache Playoffqualifikation

Prinzipiell stellen Playoffs den Höhepunkt eines Bewerbes dar, wo die Besten der Besten aufeinander treffen. Die Qualifikation dazu, sollte auch eine entsprechende Hürde sein. Das ist sie diese Saison aber nicht. 36 von 48 Teams erreichen das Playoff und das sind zu viele um die Gruppenphase als Herausforderung betrachten zu können. Ein Sechzehntelfinale unter 48 Teilnehmern ist wenig attraktiv und für die Bedeutung der CHL nicht gerade förderlich.