Tragödie von Yaroslavl jährt sich zum 5. mal

Heute vor fünf Jahren erlebte der Eishockeysport seine bisher größte Tragödie. Beim Absturz einer russischen Yak-42 kam beinahe das gesamte Team von Lokomotiv Yaroslavl ums Leben.

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Am 7. September 2011 gegen 16:05 Uhr fuhr die Yak-42 über die Startbahn hinaus, hob viel zu spät ab, kollidierte mit einer Antenne und stürzte dadurch in einen Seitenarm der Wolga. Diesem Unglück fielen neben der achtköpfigen Besatzung auch 35 Mitglieder der Mannschaft zum Opfer. Darunter Stars wie Pavol Demitra, Josef Vašíček oder die deutsche Eishockeyhoffnung Robert Dietrich.

Das Team war auf dem Weg in die weißrussische Hauptstadt Minsk, wo ihr erstes Meisterschaftsspiel gegen den Dinamo Minsk hätte stattfinden sollen.

Von Jan Polák - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16479784
Tschechische Fans auf dem Altstädter Ring in Prag – Von Jan Polák – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Eishockeyfans weltweit trauerten mit Yaroslavl, bekundeten ihre Anteilnahme und errichteten „Schreine“ wo Kerzen entzündet wurden. Die San Jose Sharks trugen in den Saison 2011/12 das Logo des Teams auf ihren Helmen.

Die KHL versuchte Lok die Teilnahme an der Liga trotzdem zu ermöglichen, wobei alle Teams Spieler abstellen sollten. Der Verein verzichtete jedoch, ließ die Saison aus und baute sich eine Klasse tiefer ein neues Team aus dem eigenen Nachwuchs auf. Bereits 2014 erreichte Lokomotiv das Conference Finale.  Seitdem steht die Jugend in Yaroslavl hoch im Kurs. Letzte Saison wurde der Nachwuchs Meister der MHL, welche die Ausbildungsliga für die KHL darstellt.

Heute, fünf Jahre danach: Lokomotiv Yaroslavl ist wieder eine feste Größe in der KHL, doch das Unglück von 2011 wirkt bis heute nach. Sowohl in Yaroslavl als auch in der Liga. Seitdem wird am 7. September in Gedenken an die Verunglückten kein Spiel in der KHL ausgetragen. Am Leontiev-Friedhof in Tunoshna wurden 2012 Denkmäler errichte, wo jährlich eine Gedenkveranstaltung stattfindet. In der Arena 2000 in Rybinsk wo das „Hockeybrüder“ Denkmal errichtet wurde, findet alljärhlich ein Spiel zwischen den Veteranen von Yaroslavl und Rybinsk zu Ehren des Teams statt.

Im August 2013 wurde eine Mittelschule der Stadt nach einem ihrer Absolventen Ivan Tkatschenko benannt. Der Pokal, welcher an den Sieger des Saisoneröffnungsspiel Champion gegen Finalisten ausgegeben wird, wurde in Lokomotiv-Pokal unbenannt.

September 2015 war die Untersuchung des Unglück unter Teilnahme internationaler Experten abgeschlossen. Als Unglücksursache wurde ein Pilotenfehler ausgemacht. Die Crew habe beim Start versehentlich und unbemerkt die Bremse betätigt, wodurch das Flugzeug nicht die nötige Geschwindigkeit erreichte um noch auf der Startbahn abzuheben. Dem Bericht zufolge habe der Pilot unter Medikamenteneinfluss gestanden haben und war daher nur bedingt flugtauglich. 2015 wurde der stellvertrende Generaldirektor  der Fluggesellschaft Vadim Timofeev angeklagt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er die Unglückscrew unrechtmäßig zum Flug zugelassen hatte. Die Staatsanwaltschaft forderte sechs Jahre Strafkolonie, das Gericht verurteilte ihn zu fünf. Letztlich wurde Timofeev anlässlich der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestags des „Siegs im großen vaterländischen Krieg“ amnestiert.


Titelbild: Kremlin.ru, CC-BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16399924

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